Zuckerbrot und Peitsche…

Es ist schon beklemmend zu sehen, wie unsere Politiker momentan versuchen, mit hingeworfenen Krumen das Volk zu besänftigen und ihm das Gefühl zu geben, etwas für ihre Bürger zu tun. Mit dem 9-Euro-Ticket, dem (erbärmlichen) Tankrabatt und dem Energiekostenzuschuss wird dem Bürger Verständnis und Fürsorge vorgegaukelt. Aus der anderen Hosentasche zieht man selbigem ohne Scham den letzten Cent, stimmt ihn (aus rein solidarischen Gründen natürlich) auf einen eisigen Winter auf der Couch ein und denkt nicht im Traum daran, reflektiert und mit Weitsicht den Ukraine-Krieg zu handhaben.

Gebt den Leuten ein 9-Euro-Ticket und lasst sie den Sommer hindurch durch die Gegend tingeln. Das nimmt ihnen die Zeit, sich mit dem Unsinn, den wir hier verzapfen (und die Bürger ausbaden müssen) zu beschäftigen. Opium fürs Volk. Hinlänglich können wir somit auch die Corona-Maßnahmen ab Oktober wieder erklären – schließlich birgt die Kuschelei in der Bahn ja ein hohes Ansteckungsrisiko. Aber sie haben wenigstens einen (letzten) schönen Sommer gehabt, bevor das dicke Ende kommt. Und es wird kommen!

Ich hätte Verständnis, dass Arbeitnehmern eine Entlastung hinsichtlich der Fahrtkosten zukäme, um den täglichen Arbeitsweg zu bewältigen. Warum Hinz und Kunz dieses Ticket ausgehändigt bekommt, um die Sommermonate durch ganz Deutschland zu reisen, erschließt sich mir einfach nicht. Wer soll das denn bezahlen? Jeder freut sich über das Billigticket, aber niemanden interessiert es, dass es auch aus unserer Tasche wieder an den Staat zurückfließen wird. Da wird medial ausgeschlachtet, dass Punks aus ganz Deutschland den Reichen auf Sylt die Ferien vermiesen. Ach, wie lustig. Was haltet ihr davon, mit eurem Billigticket nach Berlin zu fahren und gegen die exorbitant steigenden Lebensmittelpreise zu demonstrieren. Macht den Politikern in eurer Reisefreiheit doch mal Luft unterm Hintern hinsichtlich ihrer Kriegspolitik, ihren Waffenlieferungen an die Ukraine, die Deutschland nicht nur wirtschaftlich von Russland trennt, sondern auch in den gefährlichen Fokus rückt, selber in den Krieg hineingezogen zu werden. Oder glaubt ihr, ihr könnt von euren Reiseerinnerungen vom Sommer 2022 zehren, während euer Brotschapp leer ist, ihr euch den nächsten Einkauf nicht leisten könnt und aus solidarischen Gründen im Winter bei Kerzenschein in die abgefrorenen Fäuste haucht?

Ich schlage die Hände über den Kopf zusammen, wenn ich nach Berlin gucke und wenn ich an unsere Zukunft denke. Ein Haufen nichtssagender, völlig realitätsfremder und meinungsfreier Politiker, die zwar Diäten fressen wie siebenköpfige Raupen, aber nicht eine Sekunde an das Wohl derer denken, die ihnen diese Diäten durch ihre harte Arbeit ermöglichen. Da antwortet ein Bundeskanzler auf die Frage, ob er konkretisieren könnte, auf welche Sicherheitsgarantien für die Ukraine sich die Staaten nach dem Krieg geeinigt hätten, mit: “Ja, könnte ich.” Grinst dann wie ein Schlumpf. Und das war es. Welcher Scheißfilm läuft hier eigentlich, in dem Politiker nicht mehr Rede und Antwort stehen müssen? Wir finanzieren diesen Krieg (der uns nicht betrifft), wir schießen unsere Wirtschaft gerade ins Universum aufgrund des Krieges, wir versemmeln unseren Wohlstand für die Ukraine, und zu guter Letzt setzen wir unsere eigene Sicherheit aufs Spiel. Aber Antworten dürfen wir nicht erwarten? Ach, ich vergaß, Deutschland ist ja mit dem Billigtickte unterwegs. Hört eh keiner zu.

Da wird dem Deutschen das Autofahren vermiest bis in die Därme … angeblich Klimaschutz, während die Verteidigungsministerin mit dem Bundeswehrhubschrauber auf Kosten der Steuerzahler mal eben mit ihrem Sohn nach Sylt fliegt. Dabei hätte sie nur aus zwei Gründen den Hubschrauber anfordern dürfen: als Verteidigungsministerin oder als Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt über die Bundeswehr. Nicht aber privat. Die Mitnahme eines privaten Begleiters ist genauso wenig erlaubt. Ihre Ausrede: als Verteidigungsministerin hätte sie zu wenig Zeit für ihren Sohn und ihr sei es als Mutter wichtig, Zeit mit ihrem Sohn zu verbringen. Die 261€ Flugkosten hätte sie erstattet. Da bleibt mir die Spucke weg. Frau Lambrecht, kommen Sie gerne mal zu uns in die Unimedizin und unterhalten sich mit unseren Krankenschwestern und Pflegern, die ebenfalls Eltern sind und nicht mehr wissen, wie man Familienzeit schreibt. Aber he, die bekamen wenigstens ein bisschen Applaus während der Corona-Krise. BTW, Frau Lambrecht: allein die Kosten für einen “simplen” Rettungshubschrauber belaufen sich schon auf 90€ pro Minute. Ihre 261€ Erstattung sind ein Witz … wie Sie selbst als Verteidigungsministerin.

Da plärrt ein Dr. Anton Hofreiter plötzlich wie ein Militärexperte und fordert mehr schwere Waffen für die Ukraine. Tja, Herr Hofreiter, schnell in den Tarnanzug geschlüpft und selber an die Front. Ach, Sie wurden ausgemustert. Aus den hintersten, sicheren Reihen lässt es sich gut krakeelen. Und Wahlversprechen brechen:

gruen

Ja, bereit weil ihr es seid.

2 Gedanken zu “Zuckerbrot und Peitsche…

  1. Verstoss gegen geltendes Recht? Frau Lambrecht hat das gemacht, was die Finanzbehörden bei uns Bürgern seit Jahren nicht akzeptieren: Verbindung geschäftlicher mit privaten Reisen zu Lasten der Staatskasse. Da ist dann plötzlich von „geldwertem Vorteil“ die Rede.
    Wenn Frau Lambrecht auf geltende Bestimmungen verweist (Dienstflug mit anschliessender privatbedingter Weiterreise) mag das formalrechtlich in Ordnung sein, von mir aus auch noch die Mitnahme ihres Sohnes gegen Erstattung der Mehrkosten durch höheres Fluggewicht. Aber schon auf die Idee zu kommen genau so eine Reise als „Volksvertreter“ zu planen ist mehr als unmoralisch.
    Seit Politik sich meist nur noch an Quoten orientiert und ein ganzes Team von Psychologen und Kommunikationsberatern einspannt um in der Öffentlichkeit gut dazustehen ist die Sachpolitik in den Hintergrund gerückt.

    Helmut Kohl hat schon gewusst, warum er 1989 alles getan hat, um eine Diskussion um eine vom Volk sich selbst gegebene Verfassung unterbunden hat.

    Was seit Jahrzenhnten als Gesundheitspolitik verkauft wird ist menschenverachtend. Sowohl den Beschäftigten als auch den Patienten gegenüber. Der kranke Mensch als Cashcow. Ich könnte seitenweise Beispiele aus anderen Bereichen nennen. parlamente werden aufgebläht (auch in Baden-Württemberg wurde ein Gesetz verabschiedet das zu mehr Überhangmandaten führen wird) – schliesslich müssen ja mehr Parteigenossen lukrative Posten erhalten.

    Ist doch schon verrückt: da wird der Genehmigungsprozess für Nordstream II auf die lange Bank geschoben obwohl bekannt war dass Nordstream I für Wartungsarbeiten ausfällt und Siemens in Kanada einige Pumpen zur Reparatur hatte…

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